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Rückblick Segelseminar - Irgendwo auf der Ostsee

Für mich definitiv ein Highlight im FÖJ und etwas, worauf ich mich seit Beginn des Jahres gefreut habe, war das Segelseminar. Eine Woche zusammen mit anderen Freiwilligen auf einem großen Segelschiff verbringen und dabei die Ostsee unsicher machen. Klingt nicht allzu schlecht, oder? 😜

Anders als sonst, begann meine Vorbereitung auf das Seminar schon mehrere Wochen im Voraus. Jeder Freiwillige muss im Laufe des Jahres ein Seminar mitorganisieren. Dinge, wie Programmpunkte oder Mahlzeiten müssen im Vorfeld geplant werden. Das geschah in Form eines Vorbereitungstreffens, im Februar und mehrerer Telefonkonferenzen. Ende April konnten wir dann aber endlich in Richtung Kappeln starten, wo die Lovis (so heißt das Segelschiff) auslaufen sollte.

Der Montagnachmittag diente der Anreise. Nachdem sich alle auf dem Schiff eingefunden hatten, eröffneten wir als Vorbereitungsgruppe das Seminar mit einer kurzen Einweisung und einer Vorstellungsrunde auf dem Schiff. Bei diesem Seminar waren, anders als vorher, die Seminargruppen gemischt, so dass man lauter neue Gesichter vor sich hatte. Neben dem Abendessen und Gesprächen mit alten und neuen Bekannten, wurden wir in Gruppen den einzelnen Segeln des Schiffes zugeteilt. Mit großer Vorfreude auf den ersten Segeltag ging es abends in die Koje.

Nächster Morgen, Segeln? Denkste! Mit der Nachricht von schlechtem Wetter begrüßte uns die Schiffscrew zum Frühstück. Windstärke 7 und 2,5m Wellen auf der Ostsee - alles andere als anfängerfreundlich. Leichte Enttäuschung und Unverständnis kamen auf: Komisch, im geschützten Hafen von Kappeln weht doch nur ein laues Lüftchen und wackeln tut es auch nicht wirklich? Nichts desto trotz konnte der Tag gut genutzt werden. Am Vormittag eine grundlegende Einführung in das Thema "Ostsee als Lebensraum", am Nachmittag die Segeleinweisung durch die Crew. Das Abendprogramm konnten wir erfolgreich mit Bernsteinschleifen abrunden.

Nächster Morgen, Segeln? Los geht's! Das Wetter war mit sechs Windstärken zwar alles andere als ideal, aber zum Segeln braucht man Wind. Dachten wir uns. Also nach dem Frühstück noch schnell den Gang zur Toilette und anschließend Vollversammlung auf dem Deck. Wir legten ab und passierten die Klappbrücke in Kappeln, fuhren einige Zeit unter Motor und setzten dann in der Schlei die Segel. In Schleimünde und somit auf der Ostsee angekommen, demonstrierte das Meer uns erst einmal seine Kräfte. Wind und Wellen von Steuerbord; Schiff neigt sich nach Backbord. Eigentlich ganz normal beim Segeln. Trotzdem musste die ein oder andere Seekrankheitstablette genommen und hier und da mal eine Angst überwunden werden. Alles aber kein Problem! Zwar hatte es sich bei der Schaukelei mit dem Tagesprogramm erledigt, trotzdem kamen wir am späten Nachmittag in Sonderburg, auf der dänischen Seite der Flensburger Förde, an. Die freie Zeit nach dem Abendessen, wurde zum Angeln, Stadt erkunden oder plaudern genutzt. Nebenbei gab es noch die Aufgabe der Passantenbefragung zur Deutsch-Dänischen Kultur, als Teil des Seminarprogramms.

Die zweite Etappe am Donnerstag führte uns von Sonderburg nach Aarösund. Bei bestem Wetter mit mäßigem Wind und Sonnenschein durchfuhren wir den Als Fjord nördlich von Sonderburg. Erstes Highlight kurz nach dem Auslaufen: Schweinswale in ca. 50m Entfernung! Bei wenig Wellen unter Schutz des Landes konnten wir das Seminarprogramm fortsetzen. Thema: Knoten und Navigation. Pünktlich zum Ende des Fjordes und somit zum Beginn des (diesmal leichten) Wellengangs konnten wir auch diesen Programmpunkt abhaken. Der Nachmittag auf Deck stand zur freien Verfügung. Einige entspannten, lasen oder nutzen die Chance, um auch mal am Ruder der Lovis stehen zu können. Rechtzeitig, bevor wir Aarösund erreichten, bargen wir die Segel, um mit dem Seminarproramm weiterzumachen. Auf der Ostsee treibend führten wir so Wasseruntersuchungen durch. Dabei waren Inhalte, wie Sichttiefe, Temperatur in verschiedenen Schichten, Phyto- und Zooplankton oder Bodenproben an der Reihe. Im Anschluss fuhren wir mit untergehender Sonne in den Hafen von Aarösund ein. 🌅

Der Freitag begrüßte uns mit nicht allzu schönem Wetter: wolkenverhangener Himmel und verhältnismäßig wenig Wind. Zwar war das Segeln so eine sehr ruhige Angelegenheit, an die Geschwindigkeit vom Vortag konnten wir aber nicht anknüpfen. Dazu eine Windrichtung, die uns zum Abend zurück in den Hafen von Sonderburg bringen sollte. Ideale Bedingungen aber für unser Tagesprogramm: Am Vormittag ein historisches Planspiel zur Geschichte eines alten, schwedischen Kriegsschiffes, gesunken auf der Ostsee. Ein weiteres, kleineres Planspiel am Mittag zum Thema Fischerei und Überfischung der Meere. Am Nachmittag ging es genauso theoretisch mit einer Podiumsdiskussion zum Thema "Fehmarn Belt" und den entsprechenden Überquerungsmöglichkeiten (Fähre, Brücke, Tunnel), weiter. Nach einem ganzen Tag auf See liefen wir abends wieder in den altbekannten Hafen von Sonderburg ein. Zwar blieben uns so die Dänischen Inseln verwehrt, dafür hielt Sonderburg aber einen Supermarkt, sowie Pizza für uns bereit. Sicherlich auch ein gutes Angebot. 😋

Am letzten Tag hieß es früh aufstehen - Auslaufen um sechs Uhr! Immerhin sollten wir am Mittag wieder in Kappeln sein und da die Wettervorhersage nur wenig Wind versprochen hatte, planten wir mit einer nicht allzu schnellen Rückreise. Gesagt, getan. Pünktlich verließen wir den Hafen von Sonderburg und begannen die letzte Etappe unserer Reise. Bei einer ruhigen Fahrt nutzen wir den Vormittag für die abschließende Feedbackrunde. Außerdem sollte noch die Umfrage zur Deutsch-Dänischen Kultur ausgewertet werden. Schlussendlich hieß es dann: Klar Schiff machen! Mittags passierten wir Schleimünde und liefen ein wenig später in den Hafen von Kappeln ein. Somit ging eine spannende und außergewöhnliche Seminarwoche zu Ende.Glücklich und froh, festen Boden unter den Füßen zu haben, machten sich alle auf den Heimweg. Eine Woche, an die man sich gerne zurückerinnern wird.

Nun schauen wir Freiwilligen dem (leider schon) letzten Seminar, Ende Juni auf Sylt entgegen. Dort werden dann nochmals alle Freiwilligen des Trägers gleichzeitig zusammen kommen, bevor es Anfang Juli in den letzten Monat geht. Bis dahin sind aber zum Glück noch ein paar Wochen übrig.